RRRollipop® schauen!

die Österreicher nach dem Zweiten Weltkrieg © RRR 2007

El Camino de Santiago, ein Konglomerat von Religion, Paulo Coelho, Körperertüchtigung und Pauschalreisen. Filtriert durch die kleinen Beiwagenfenster eines Felber Autorollers, 10 Reisetage und 900 km Fahrt. 180.000 und mehr sollen da letztes Jahr nach Westen gezogen sein. Alles Pilger. Zu Fuß mit Rucksack oder per Gesellschaftsreise im Autobus. Am Mountainbike mit dem Gepäck hinten drauf oder im Begleitfahrzeug dahinter; es bietet bei Bedarf auch Platz für die Räder und die müde Gewordenen. Oder zu Pferd, ein Stück wenigstens; es ist zu mieten. Oder – nun neu – per Oldtimer: klein, eng, laut, unbequem und langsam. Schauen nicht wie Autos aus. Eben von gestern. Da sitzen wir Fünf drinnen.

Alles ist möglich, alles steht frei: man kann den Jakobsweg in einem machen oder auf Raten, jedes Jahr ein Stückl gehen und jedes Jahr andersartig unterwegs sein. Man kann in Pamplona losziehen oder in Köln, Lissabon oder sonst wo.
Buen Camino! © RRR 2007"Buen Camino!" verabschieden uns die Radfahrer am Morgen, und abends treffen wir sie im Quartier wieder. Felber und Libelle im angepassten Tempo. Pilger und Herbergsväter sehen das nicht eng. Wir auch nicht, die offen sichtlich mit Motorkraft Fortbewegten – und nicht versteckt, im Geheimen und bequem, wie es andere tun. Wir lassen uns an vielen Orten unsere Pilgerpässe abstempeln und holen uns am Schluss, gut gerüttelt, im Pilgerbüro von Santiago die offizielle Ankunftsurkunde in Latein.
Im Rallye-Sprech könnte man von Durchfahrtskontrollen, Kontrollkarten und Siegerurkunden sprechen – und von unserem Logbuch: "Radwandern, der Jakobsweg von Pamplona nach Santiago de Compostela, 14 Tagesetappen auf dem Original-Pilgerweg",
4. Auflage, erschienen 2004 im Stöppel-Verlag. Fast nur Asphalt, viel Ebene, auch reichlich bergauf und bergab. Alles ist irgendwie beschildert. Fast alles. Regionale Michelin-Karten gibt’s an den Tankstellen.

Die Wohnmobile mit den Anhängern haben wir die ganze Zeit über am Campingplatz in Santiago gelassen. Unterkunft nehmen wir standesgemäß in den Refugios. Wer den Pilgerpass vorweist bekommt ein Stockbett. So eines frei ist. Es ist ratsam, wenn es am Jakobsweg Nachmittag wird, sich danach umzusehen. Als Bettwäsche dient der eigene Schlafsack. Patschen nicht vergessen, denn die Wanderschuhe müssen draußen bleiben. Unseren Skischuhen gleich. Um 9 heisst’s Licht aus.
Übrigens: wenn warm Duscher nächtens aufwachen, können sie dank nächtens kaum abgezapfter Elektroboiler das finden, was sie lieben. Um 8 Früh heisst’s draußen sein und Frühstück suchen.
Alle Zeitangaben ohne Gewähr – und alles fakultativ, denn es gibt auch Hotels. mitten drin © RRR 2007

Gefrühstückt wird in Bars oder Restaurants. Die spanische Variante unserer Beiseln preist billige Pilgermenüs an: einfach und abwechslungsreich, der jeweiligen Region entsprechend. Ob in Kastilien, Navarra, Rioja, Galicien oder anderswo, Wein ist stets inklusive, in Galicien ein wenig gewöhnungsbedürftig. Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt’s Supermärkte, und so mancher Greißler hat durchgehend und lange geöffnet.
Was wir unterwegs sonst noch beziehen müssen, findet sich: zum Beispiel Leute die mit Reifen handeln. Oder mit Keilriemen und Kettenschlössern. Oder solche, die Stoßdämpferaufhängungen schweißen. Den Rest der einfachen Mechanik unserer Vehikel haben wir autark im Griff, gute Vorbereitung lohnt sich. Nur die Libelle wird die letzten km von einen Felber ans Seil genommen. Der erforderliche Kolbenwechsel wäre mit koordinierter Hilfe von spanischem, deutschem und österreichischem Touringclub möglich, steht sich aber nicht mehr dafür.
Alle drei © RRR 2007Im Heck unserer 3 Dreiräder stecken luftgekühlte 4-Gang-Rotax-Zweitakter
österreichischer Provenienz. Bei den Felbern sind es 2 Zylinder und
400 cm³, bei der Libelle die Hälfte. Sie wird per Seilzug händisch gestartet und hat auch keinen Retourgang. Die Felber hingegen haben einen und auch einen 6-V-Dynastarter von Siemens Schuckert, Wien.
Das bequemere Fahrzeug ist allerdings die 2-sitzige Libelle, mit Ihren großen 12"-Rädern, den hydraulischen Bremsen, der höheren Sitzposition und dem Cabrio ähnlichen Einstieg. Vor allem für einen nicht groß Gewachsenen, bei freiem Nebensitz, und wenn es nicht regnet.
Die 2+1-sitzigen Felber leben von der Überlegenheit ihrer Motore und dem reichlichen Platzangebot für Fahrer und Beifahrer. Dieser sitzt "bei", also daneben, doch etwas zurück gerückt, schulterfrei! Der des Verstauens kundige Kleinwagenfahrer findet ohne viel Suchen reichlich Platz fürs Gepäck, überhaupt wenn "+1" zu Hause geblieben ist. Ein- und Aussteigen ist Beiwagen mäßig unbequem, verschärft durch die Niedrigkeit des Vehikels mit seinen kleinen 8"-Rollerrädern. Sicht durch die kleinen Beiwagenfenster ist eingeschränkt möglich.

Es ist Ende September 2007. Angenehmer Weise können alle Drei "oben ohne" gefahren werden, wenn’s warm ist.

auf 1300 m © RRR 2007Ist’s kalt in den Bergen und nebelig am Morgen oder bei Regen, bleibt das Fetzendach zu. Da macht sich dann das Fehlen  von Heizung und Defroster bemerkbar. Letzteres ist besonders unangenehm.

Die Pilger © RRR 2007


Unvergessliche Eindrücke von spanischer Romanik und Gotik hingegen hinterlässt der Camino bei Kunstbeflissenen. Die Denkmäler werden cum grano salis gepflegt und restauriert. Der Tourismus am Jakobsweg macht’s möglich. Und dennoch sperren die Kirchen unterwegs Früh zeitig zu und nachmittags erst um 4 wieder auf.

Ja, und noch etwas: um 11 Uhr ist am Zielort internationale Pilgermesse. Täglich.


Am Ziel © RRR 2007Das obligate Zielfoto. Für die Libelle hat’s bis zur Kathedrale hinauf nicht gereicht. 


Angekommen © RRR 2007

W-XRRR1 © RRR 2007

 

 

 

 

 

 


© NG Mylius/RRR 2007


 

 

RRRollipop® schauen in der Nostalgiewelt Eggenburg
Roller, Rollermobile & Wurlitzer

 

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